Die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Beherrschten Bilder der gestrandeten Menschen auf den griechischen Ägäis-Inseln monatelang die Medien, so droht angesichts der Dauer-Diskussion um Migranten, Quoten, europäische Außengrenzen und die Zuwanderung Schutzsuchender in Deutschland die Tatsache in den Hintergrund zu treten: Die Flüchtlinge erreichen nach wie vor in ihren überladenen Schlauchbooten die Küsten Griechenlands - trotz des umstrittenen Abkommens der EU mit der Türkei.


Hier arbeiten wir von KALI:MERA seit dem vergangenen Sommer. Die griechische Begrüßung „Kalimera“ („Guten Tag“) bleibt unser Leitmotiv: KAtastrophe in Lesbos LIndern: Hilfe für MEnschen am RAnd. Im Abseits stehen die Menschen auf Lesbos nach wie vor. Flüchtlinge hungern in den beiden spartanischen Aufnahmelagern der Insel, frieren bei Regen in den wilden Camps. Die Koordination der Organisationen, die überhaupt noch Hilfe leisten, ist häufig unzreichend. Resultat: Massive Lücken in der ganz alltäglichen Unterstützung für die Flüchtlinge. Und auch die Not der Armen in der griechischen Bevölkerung ist nach wie vor alarmierend. Sozialhilfe á la Deutschland? Ein schöner Traum im krisengeschüttelten Mittelmeerland..


Lesbos ist und bleibt das „Lampedusa Griechenlands“, seitdem die Flüchtlinge auf die wesentlich kürzere Route von der Türkei aus nach Europa ausweichen. Die Entfernungen zwischen der Türkei und den griechischen Inseln Kos im Süden, Samos, Chios und Lesbos im Noden belaufen sich nur auf wenige Seemeilen. Brennpunkt an der EU-Außengrenze zur Türkei: Die Ost-Ägäischen Inseln Griechenlands (Karte unten, rote Markierung).

Dem Tod auf See zwische der Türkei und Griechenland nur knapp entronnen. Durchnässt und frierend erreichen die Boat-People die Strände der Ägäis-Insel Lesbos. Hier sehen sie eine packende Dokumentation zu diesem dramatischen Thema. Film:

Mehr als 50 Prozent der Menschen, die in Schlauchbooten oder schrottreifen Kleinfahrzeugen von der Türkei aus zu den Ost-Ägäischen Inseln aufbrechen, kommen auf Lesbos an. Zählte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) 2015 insgesamt fast 860.000 Menschen auf der „Ägäis-Route“ (also rund 400.000 Flüchtlinge allein in Lesbos), so waren es in den ersten Monaten des Jahres 2016 bereits mehr als 150.000 Schutzsuchende - 88.000 von ihnen in Lesbos. Das sind die Lebenden. Denn kein Tag vergeht, an dem die Wellen nicht Leichen an die Urlaubsstrände spülen, meistens Kinder, Frauen und ältere Menschen. Das UNHCR schätzt die Anzahl der Menschen, die seit Beginn dieses Exodus ihr Leben auf See gelassen haben, mittlerweile auf weit mehr als 4.000 Todesopfer.

 

„Sensibles Engagement“: Spyros Galinos, Bürgermeister der Insel Lesbos (hier mit unserem Newsletter), dankt allen Spendern von KALI:MERA für ihre Hilfe. Rechts neben dem Insel-Oberhaupt unser Organisator Theo Valakos.

Vor diesem Hintergrund setzen wir von KALI:MERA unsere Arbeit fort. Dank unseres Netzwerkes auf der Insel konnten wir im Sommer 2015 schnell und effektiv mit unserer Hilfe beginnen; alle Projekte erreichen ihr jeweiliges Ziel. Unbürokratisch und schnell. Vor allem halten wir unsere Kosten für Logistik und Administration so minimal wie möglich, um unsere Spendenmittel in größtmöglichen Umfang für unsere Kern-Aufgaben verwenden zu können. Unsere Devise dabei: Wir beschaffen die Hilfsgüter selbst und übergeben diese direkt den bedürftigen Menschen.

 

Welch riesiges Engagement die deutsche Bevölkerung bei der Aufnahme, Unterbringung und Integration der Schutzsuchenden leistet, bleibt auch in Griechenland nicht verborgen. Spiros Galinos, Bürgermeister der Insel Lesbos, sieht die Willkommenskultur im fernen „Germania“ mit Hochachtung. Als „sensibel“ lobt der Bürgermeister unsere Projekte auf seiner Insel - und dankt allen Spendern und Förderern von KALI:MERA. Wenn auch keine „große NGO“ (Non Government Organisation), dafür aber wesentlich flexibler, weiten wir unsere Projekte aus - sowohl für die Flüchtlinge als auch für den notleidenden Teil der griechischen Bevölkerung.

Was wir mit Ihrer Hilfe auf Lesbos leisten,
erfahren Sie hier:
UNSERE PROJEKTE.

Kap Korakas, das "Raben-Kap", mit seinem Leuchtfeuer (Hintergrund-Foto rechts) markiert das Nordost-Ende der Insel Lesbos: Deutlich sichtbare Landmarke, von der nahen Türkei nur wenige tausend Meter entfernt. Für die Boat-People ist es das „Kap der großen Hoffnung“ - und gelegentlich genauso tückisch wie dessen Namensvetter am Ende Afrikas. Beim Anlanden an den spitzen Klippen erleiden die Flüchtlinge nicht selten schlimme Verletzungen (kleines Foto links); für einige endet die Flucht nach Europa bei stürmischer See mit dem Tod (Mitte). Und ob das alles nicht reichlich genug wäre - jetzt drohen den Nord- und Ost-Küsten der Insel Lesbos auch noch Umwelt-Schäden, da aus den bereits vorher schrottreifen, gestrandeten Schleuser-Booten an den Küsten (kleines Foto rechts) Dieselöl und giftige Chemikalien ins Meer gelangen - dort, wo im Sommer Urlauber baden sollen. Womit der Insel das nächste Desaster bevorsteht: Das Ausbleiben des Tourismus.